Endlich bessere Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal!

Avatar of Adminis Adminis - 15. November 2021 - Magazin links

Ob im Spital, in der Spitex oder in der Langzeitpflege – überall fehlen Pflegekräfte, Stellen können nicht mehr besetzt werden oder werden gar nicht mehr ausgeschrieben. Dieser Trend hat sich mit der COVID-19 Pandemie noch verstärkt. Leidtragende sind die Patientinnen und Patienten. Sie spüren Tag täglich, was es bedeutet, wenn Personal fehlt.

Längst ist es für alle offensichtlich: Im Berner Gesundheitswesen läuft nicht alles rund. Das Inselspital schliesst im Spital Münsingen die Geburtenabteilung und die beiden psychiatrischen Kliniken schliessen je eine Abteilung. Grund: Personalmangel. Auch andere Spitäler schliessen Betten, weil das Personal fehlt und die Sicherheit der Patienten nicht mehr gewährleistet ist. Auf dem Höhepunkt der Pandemie war unser Gesundheitssystem überlastet - es konnten nur noch dringend notwendige Operationen durchgeführt werden. 

Aber die aktuelle Rationierung ist eine direkte Folge des Personalmangels und wäre zu vermeiden gewesen. Über 46 Prozent der Pflegenden haben vor der Pandemie den Beruf verlassen, weil die Belastung zu gross und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwierig. Sie werden den Anforderungen nicht mehr gerecht, werden krank und brennen aus.

Es braucht dringend griffige Massnahmen

Die Pflegeinitiative zeigt Lösungen auf. Neben einer Ausbildungsoffensive will sie eine bessere Finanzierung der pflegerischen Leistung, um mehr Stellen in der Pflege zu schaffen. Auf diese Weise kann die Arbeitslast für die Pflegenden verringert werden. Aus Studien wissen wir, dass die Anzahl Pflegefachpersonen pro Patienten massgeblich über die Qualität der Pflege entscheidet, dass Kosten eingespart und viele Hospitalisationen vermieden werden können. Leider unterstützt der Bundesrat die Pflegeinitiative nicht. Sie geht ihm zu weit und er sieht die Arbeitgeber, die Kantone und die Sozialpartner in der Pflicht, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Für die aber SP ist klar: Es braucht ein Ja zur Initiative.

Ohne Initiative wird sich nichts ändern

Gespräche mit Pflegenden zeigen mir, sie klammern sich an die Pflegeinitiative. Mit der Initiative können wir die Pflegenden zurück in den Beruf holen, junge für den Beruf begeistern und im Beruf halten. Die Pflegenden lieben ihren Beruf – aber er braucht die nötigen Rahmenbedingungen und für diese sind nur zu einem Teil die Arbeitgeber verantwortlich. Bund und Kantone haben auch entscheidende Kompetenzen.

Die Pflege ist auf alle drei Player angewiesen: Die Arbeitgeber, weil sie mehr Stellen für die Pflege schaffen und in bessere Arbeitsbedingungen investieren können, die Kantone, weil sie die Personalschlüssel in der Langzeitpflege und die Bildungsbudgets für die Pflegeausbildung bestimmen und für kostendeckende Tarife sorgen müssten und den Bund, welcher die Eigenständigkeit des Pflegeberufes regeln, eine bessere finanzielle Abgeltung der Pflegeleistung sichern und eine Verhältniszahl zur Qualitätssicherung festlegen kann.  

Diese Aufteilung der Kompetenzen beeinflusst die Bemühungen der Sozialpartner sehr stark. Nur mit der Annahme der Initiative können die Rahmenbedingungen in der Pflege verbessert und der Berner Bevölkerung auch in Zukunft eine gute Gesundheitsversorgung garantiert werden.

Manuela Kocher-Hirt, Präsidentin SBK (Pflegefachpersonalverband) Bern, Grossrätin Worben

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