Gründung von Plateforme.Socialiste in Tavannes

Avatar of Adminis Adminis - 09. September 2021 - Magazin links

Die linken Bewegungen im Berner Jura haben schon vor einiger Zeit einen historischen Dialog in Gang gesetzt, um ihre Kräfte vor allem im Interesse der sozialdemokratischen Werte zu bündeln. Der Parti socialiste romand ist eng mit dieser Dynamik verknüpft. Ziel ist dabei, alle guten Vorsätze links zu vereinen, die einerseits mit der Jurafrage – sie hat seit mehreren Jahrzehnten viele Gräben in ihren Reihen aufgerissen – abschliessen und andererseits die linken Wähler*innen und Sympathisant*innen motivieren wollen, sich für die sozialdemokratischen Werte einzusetzen. In Tavannes ist aus der Sektion des Parti socialiste autonome die neue lokale Plateforme.Socialiste entstanden mit dem Ziel, den sozialdemokratischen Werten im Ort namentlich im Hinblick auf die nächsten Gemeindewahlen ein klares Profil zu geben und alle sozialdemokratischen Strömungen des Orts zu bewahren, unabhängig von jeder Frage der Zugehörigkeit. Ein neuer, viel versprechender Ansatz für den Berner Jura. Fragen an den Präsidenten von Plateforme.Socialiste, Gilles Marchand

Gilles Marchand, wie entstand die Idee von Plateforme.Socialiste in Tavannes?

Die Idee, die linken Kräfte im Berner Jura zu bündeln, ist nicht neu: Es gab schon zahlreiche Versuche, aber nie ist es gelungen, sie zu konkretisieren. Angesichts dieser Misserfolge hat die PSA-Sektion Tavannes beschlossen, es mit einem neuen basisorientierten Ansatz zu versuchen und als Beispiel für eine vereinigte Linke auf regionaler Ebene zu dienen.

Welche Ziele hat die Lokalpartei?

Plateforme.Socialiste sieht sich als Labor für neue Arten, auf lokaler Ebene Politik zu machen. Mit stärkerer Präsenz auf der Strasse und dem Willen, Themen der nationalen Politik in den öffentlichen Raum zu tragen, will die neue Partei die Beziehung zwischen Politik und Bürger*innen pflegen. Ein Teil der Sitzungen soll regionalen oder nationalen Themen gewidmet sein, um die Bürger*innen der Nachbargemeinden zu integrieren, die keine lokale Sektion haben. Mit einer aktiven Beteiligung an der Organisation von politischen Kampagnen, zusammen mit anderen Organisationen der Linken, will Plateforme.Socialiste einen positiven Anreiz rund um Fragen der Sozial- und Umweltpolitik schaffen und rund um verbindende Themen eine politisch sonst wenig engagierte Bevölkerung ansprechen.

Habt ihr neben dem Parti socialiste du Jura bernois (PSJB) und dem Parti socialiste autonome (PSA) eine neue sozialdemokratische Partei gegründet?

Plateforme.Socialiste ist keine neue Partei, sondern will Bindeglied zwischen den verschiedenen sozialdemokratischen Strömungen sein und den Grundstein für eine starke und vereinigte Linke im Berner Jura legen. Diese Änderungen wurden in Absprache mit dem Parti Socialiste autonome und dem Parti Socialiste bernois beschlossen. In einer ersten Phase schliesst sich Plateforme.Socialiste keiner kantonalen oder regionalen SP-Sektion an und lässt es ihren Mitgliedern frei, bei der einen oder andern Sektion mitzumachen. Einzige Bedingung ist die Zustimmung zur Charta. In den Medien und der öffentlichen Meinung wurde die Gründung von Plateforme.Socialiste klar als Ausdruck einer vereinigten Linken wahrgenommen.

Was sind eure ersten konkreten Aktionen?

Wir haben eine Rekrutierungskampagne mit einem Versand an alle Haushalte in Tavannes und Umgebung gemacht. Diesen Herbst lancieren wir eine Gemeindeinitiative und bereiten die Wahlen vom November vor. Geplant sind auch Unterschriftensammlungen für die Initiativen der SP und die Verteilung von Flyern für die 99%-Initiative.

Was ist eure Botschaft für die Berner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten?

Die Hauptbotschaft von Plateforme.Socialiste ist, die Arbeit vor Ort in den Vordergrund zu stellen und die Grabenkämpfe beiseite zu lassen. Die jungen Generationen sehen den Beitritt zu einer Partei oft negativ, das Mitmachen für eine gute Sache liegt ihnen mehr. Wir müssen unsere Art, Politik zu betreiben, anpassen, um den Herausforderungen von morgen wirksam zu begegnen. 

Gilles Marchand, befragt von Hervé Gullotti, Co-Präsident des PSJB.

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