«Wenn wir die starren Mehrheitsverhältnisse aufbrechen können, dann kommen wir im Kanton Bern endlich vorwärts»

Avatar of Adminis Adminis - 28. Juni 2021 - Magazin links

Eine gute Debattenkultur führen, Themenspezialist*innen ihren Platz lassen und Mehrheiten für linke Anliegen schaffen: Das sind die Vor­ haben von Stefan Jordi, dem neuen SP-Fraktionspräsidentin im Grossen Rat, wie er Links.be verrät Mehrheitsverhältnisse aufbrechen können. Dann kommen wir endlich mit dem Kanton Bern vorwärts.

Lieber Stefan, Anfang Juni bist zu zum Präsidenten der SP-JUSO-PSA-Fraktion im Grossen Rat gewählt worden. Wie muss man sich diese Aufgabe vorstellen? Bist du der Chef-Einpeitscher, der alle Fraktionsmitglieder auf Linie trimmt?

Ganz und gar nicht. Dort wo wir uns nicht sofort einig sind, pflegen wir eine Debattenkultur, die je nachdem auch mal intensiv verläuft. Sobald wir uns für eine Haltung entschieden haben, gilt es diese zu vertreten – das ist meine Aufgabe. Es gibt aber auch Geschäfte, bei denen es starke Mehr- oder Minderheitspositionen innerhalb der Fraktion gibt. Auch das gilt es «auszuhalten» und transparent zu machen. Unsere Fraktion besteht aus Mitgliedern mit unterschiedlichen Hintergründen, die in der Stadt, in Agglomerationen oder auf dem Land wohnen. Das finde ich sehr bereichernd.

Muss man als Fraktionspräsident ein Themen-Allrounder sein? Gibt es Bereiche, in die du dich noch besser einlesen musst?

Es gibt Sessionen, an denen über 130 Geschäfte traktandiert sind. Es wäre natürlich schön, überall Bescheid zu wissen. Das ist aber unmöglich. Wir definieren deshalb Schwerpunkte, die uns besonders wichtig sind. Diese muss ich selbstverständlich kennen. Zudem haben wir Fachgruppen, die sich mit Themen in ihrem Bereich auseinandersetzen.

Wie willst du dein Amt ausführen, was ist dir dabei wichtig?

Meine Vorgängerin, Elisabeth Striffeler, hat mir zum Glück eine starke Fraktion überlassen. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie fundiert die Mitglieder «ihre» Geschäfte kennen. Vielleicht müssen wir noch vermehrt versuchen, im stark bürgerlich dominierten Grossrat Mehrheiten zu finden. Dazu braucht es halt manchmal Kompromisse, aber damit kommt man vielleicht ein Schrittchen in die richtige Richtung. Das finde ich gescheiter, als Stillstand. Zudem liegt mir der respektvolle Umgang untereinander am Herzen.

In deinem Lebenslauf sind in vielen Stationen deines Werdegangs Präsidien aufgeführt. Suchst du Führungsfunktionen?

Es ist ja nicht so, dass es für solche Funktionen lange Schlangen an Bewerbenden gibt. Ich übernehme gerne Verantwortung und gestalte gerne ein Gremium und seine Ziele mit.

Im nächsten März sind kantonale Wahlen, die SP will zusammen mit den Grünen die linke Mehrheit im Regierungsrat zurückgewinnen und den Kanton wieder vorwärtsbringen. Was würde das für die Arbeit der SP im Parlament bringen?

Mit der linken Regierungsmehrheit haben wir bereits gute Erfahrungen gemacht. Wichtig ist, dass wir auch im Parlament diese starren Mehrheitsverhältnisse aufbrechen können. Dann kommen wir endlich mit dem Kanton Bern vorwärts.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, im Kanton Bern etwas zu ändern, was wäre das?

Als Realist liebe ich solche Fragen… Eine linke Mehrheit im Parlament und genügend finanzielle Ressourcen und es könnten viele Wünsche für einen sozialen, ökologischen und progressiven Kanton Bern erfüllt werden.

Du bist YB-Fan und begeisterter Konzertgänger. Wenn das wieder möglich wird, wo findet man dich zuerst, im Stadion oder an einem Konzert?

Ich bin bei den ersten Spielen von YB in den Ferien. Da aber noch kaum Konzerte, die mich gelüsten, in nächster Zeit angesagt sind, nehme ich an, wird es ein YB-Spiel sein. Darauf freue ich mich riesig!

Interview: Hannes Rettenmund

«Zur Person»:

Stefan Jordi ist seit 2017 Grossrat für die SP in der Stadt Bern und war Mitglied der Gesundheits- und Sozialkommission. Daneben ist er Präsident von Pro Velo Kanton Bern. In früheren Stationen seiner politischen Laufbahn war er unter anderem Stadtrat und Co-Präsident der SP Stadt Bern. Beruflich arbeitet er als Leiter Regionale Partizipation und stellvertretender Leiter Sektionsleiter beim Bundesamt für Energie.

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