Elternzeit statt Steinzeit! Der Kanton Bern muss jetzt vorangehen

Avatar of AdminisAdminis - 06. Juni 2019 - Medienmitteilung

Die SP fordert in einer Motion 38 Wochen Elternzeit im Kanton Bern. Den Einwand des Regierungsrats, dass der Bund zuständig sei, lässt die SP nicht gelten. Es ist höchste Zeit, die Steinzeit hinter sich zu lassen und zu handeln. Die SP will mit einer Standesinitative erreichen, dass die gesetzlichen Grundlagen auf nationaler Ebene endlich angepasst werden und progressive Kantone wie der Kanton Bern vorangehen können.

In der Schweiz arbeiten Frauen und Männer im Erwerbsalter ungefähr gleich viel. Aber die Frauen verdienen dafür insgesamt rund 100 Mia. weniger als die Männer.(1) Damit gehört die Schweiz zu den fünf Ländern in Europa mit dem grössten Einkommensgefälle zwischen Frauen und Männern. Drei Viertel dieser Einkommenslücke haben ihre Ursache darin, dass Frauen den Löwinnenanteil der unbezahlten Arbeit erledigen. Dabei fällt insbesondere die Kinderbetreuung ins Gewicht: Rund 1 Mrd. Stunden arbeiten Frauen jährlich dafür.

“Kinderbetreuung ist nicht gratis. Frauen bezahlen dafür mit Lohneinbussen, Einbussen bei den Sozialversicherungen und tieferen Renten. Unbezahlte Arbeit muss gerechter geteilt werden und die Eltern müssen dafür Zeit bekommen”, sagt Grossrätin Tanja Bauer. Doch die Schweizer Familienpolitik steckt noch in der Steinzeit. Weder auf nationaler noch auf kantonaler Ebene geht es voran. Darum fordert die SP den Regierungsrat in einer Motion auf, im Kanton Bern zusätzlich zu den bereits bestehenden 14 Wochen Mutterschaftsversicherung 24 Wochen Elternzeit einzuführen.

Taten statt Worte

Der Regierungsrat steht der Forderung grundsätzlich positiv gegenüber. Er verweist in seiner Antwort auf die Motion aber darauf, dass der Bund zuständig sei. Dies lässt die SP nicht gelten. “Seit Jahrzehnten wird im Bundeshaus diskutiert, aber es gab kaum Fortschritten. Es ist Zeit für eine moderne Familienpolitik”, so Grossrätin Maurane Riesen. Die SP wird eine Standesinitiative im Grossen Rat einreichen, um die Zuständigkeiten neu zu regeln, damit die Kantone in der Familienpolitik vorangehen können. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, lancierte die SP heute den Aufruf “Elternzeit statt Steinzeit” für eine zeitgemässe Familienpolitik im Kanton Bern.

Mit Elternzeit haben Mütter und Väter die Möglichkeit, mehr Zeit mit ihrem Kind zu verbringen und die Betreuungs- und Hausarbeit gleichberechtigt zu teilen. Väter haben von Anfang an eine Rolle im Leben der Kinder und können mehr Verantwortung Zuhause übernehmen. Umgekehrt können Mütter Familie und Beruf besser vereinbaren und sind finanziell unabhängiger.

Während der Dauer der Elternzeit gilt eine Arbeitsplatzgarantie und Mütter und Väter erhalten weiter ihren Lohn. Die Elternzeit könnte analog zum heutigen Mutterschaftsurlaub finanziert werden. Viele andere Länder kennen bereits solche Lösungen. Dort zeigt sich, dass Elternzeit auch positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft und auf die Steuereinnahmen hat.

(1)https://feministische-fakultaet.org/3zahlen

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